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Wie die Gründerin zu Haustausch fand

Mit 10 hatte ich eine Lieblingsbeschäftigung: ich saß stundenlang über den Karten im Weltatlas. Ich studierte Flussläufe, die höchsten Gipfel und exotisch klingende Hauptstädte der Welt und träumte davon, diese wunderbaren Orte selbst zu entdecken. (Das war nicht schlecht für meine Geografienoten!) Der innere Drang die Welt zu erkunden, war so stark, dass ich Flugbegleiterin bei Swissair wurde. Ich werde nie vergessen, wie ich auf dem Weg nach Dakar zum ersten Mal über die Sahara flog. Genauso hatte ich es mir auf der Karte immer vorgestellt. Sogar aus 30.000 ft waren die von starken Winden geformten Sanddünen zu erkennen. Ebenso stark in mein Gedächtnis eingeprägt hat sich der Moment, als ich zum ersten Mal amerikanischen Boden unter den Füßen hatte. Es war Silvester in Neu York!

Einmal im Jahr erhielt das fliegende Personal von Swissair sehr interessante Statistiken ins Postfach zugesandt. Eine zeigte die Anzahl Stunden auf, welche wir in dem betreffenden Jahr geflogen waren. Am Ende meiner Flugkarriere hatte ich 5 volle Monate buchstäblich in der Luft verbracht! Obwohl ich gerne zugebe, dass ich den Luxus und den Komfort der tollen Erstklasshotels während meiner Reisen mit Swissair genoss, wiederholte sich die Erfahrung mit der Zeit.

Nachdem ich auch die entferntesten Winkel dieser Erde während meiner “Fliegerjahre“ ausgekundschaftet hatte, ließ ich mich in Neu England nieder. Mit so vielen neuen Dingen in einem neuen Land zu lernen und zu entdecken, war mein Entdeckertrieb für viele Jahre gestillt.

Die Zeit verging. Ich kehrte mit meiner Familie nach Europa zurück. Es gab etwas, was mich damals sehr irritierte. Immer wenn Freunde über ihren tollen Urlaub mit den Kindern berichteten, meistens von einem sonnigen Badeort am Mittelmeer, überkam mich eine innere Leere. Konnte es sein, dass ich meine Reiselust verloren hatte?

Bald fand ich heraus, was der wahre Grund war. Wir machten Pläne, unsere Familie in den Staaten zu besuchen. Aber wir steckten bald in einem Dilemma. Zwei Wochen in einem engen Hotelzimmer mit zwei Kindern zu verbringen, erschien uns wie ein Alptraum, genauso wie die horrenden Ausgaben, welche auf uns zukamen. Da entdeckten wir Haustausch! Wir hatten Glück gleich beim ersten Mal. Unsere Haustauschpartner waren alte Profis. Sie gaben uns viele praktische Tipps, welche für uns Anfänger sehr hilfreich waren. Ich kann gar nicht ausdrücken, wie aufregend es war, in ihrem prachtvollen Haus zu wohnen. Sie hatten alles an ihrem gewohnten Platz gelassen: Schmuck, alte Münzen, Antiquitäten. Wie viel Vertrauen sie in uns hatten! Obwohl die Besitzer des Hauses nicht anwesend waren, hatten wir den Eindruck, sie durch die Art ihrer Haushaltsanlegung doch näher kennen zu lernen. Es kam uns vor, als ob wir für ein paar Tage das Leben mit anderen Leuten getauscht hätten. Über unsere Haustauschpartner erfuhren wir viel Wissenswertes über die Gegend und erhielten Insider Tipps, welche uns als konventionelle Touristen verschlossen geblieben wären.

Übrigens mögen auch unsere Kinder Haustausch. Im Urlaub erhalten sie ihr eigenes Zimmer mit neuen Spielsachen zu entdecken. Sie lernen fremde Kulturen kennen und wie man mit den Dingen anderer Leute respektvoll umgeht.

Nachdem wir von unserem ersten Haustausch in Amerika zurück in Europa waren, erzählten mir meine Freunde von ihrem tollen Familienhotel-Urlaub in einem bekannten Touristenort im Süden. Plötzlich wusste ich, was ich beim Reisen so lange vermisst hatte:  die Verbindung zu Menschen in anderen Kulturen und das Gefühl, nach einem aufregenden Tag unterwegs „nach Hause“ zu kommen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Haustausch gemacht? Schreiben Sie uns! Wir veröffentlichen Ihren Bericht gerne.

info(at)JewettStreet.com.

 

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